Porträt der Friedrich-List-Schule
Schon am frühen Morgen füllen sich die Parkplätze auf dem weitläufigen Gelände des Wiesbadener Berufsschulzentrums in der Nähe der BRITA-Arena. Autokennzeichen aus Limburg, dem Rheingau-Taunus- und dem Main-Taunus-Kreis sowie von der anderen Rheinseite aus Alzey, Bad Kreuznach, Bingen und Mainz weisen darauf hin, dass viele junge Pendler jeden Tag weite Strecken zurücklegen, um zu ihren Ausbildungsstätten an den beruflichen Schulen in Wiesbaden zu gelangen.
An den fünf verschiedenen Bildungseinrichtungen bereiten sich ungefähr 11.000 Lernende auf ihr Berufsleben oder ein Studium vor. Ungefähr 2.000 von ihnen besuchen derzeit die Friedrich-List-Schule (FLS), die ein berufliches Oberstufengymnasium mit über 500 Schülern, zwei Berufsfachschulen mit 350 Schülern und die Teilzeitberufsschule mit über 1.300 Schülern beherbergt. Diese werden von 110 Lehrkräften der FLS beschult. Es handelt sich um Diplom- Handelslehrer mit einer Spezialisierung in einer der beruflichen Fachrichtungen der FLS und um Gymnasiallehrer, die für die allgemeinbildenden Fächer zuständig sind.
„Neben der Allgemeinbildung steht ein an der Praxis orientiertes berufliches Lernen auf dem Plan“, so beschreibt der Schulleiter Wolfgang Thiel die FLS.
Dies spiegelt sich gerade im schulischen Alltag der FLS, der durch vielfältige praxisbezogene Projekte und Veranstaltungen belebt wird, wider.
Das Berufliche Gymnasium (BG)
Bereits zu Beginn der Jahrgangsstufe 11 bietet das BG seinen Schülern ein dreitägiges Methodentraining an. Dabei werden bedarfsorientiert Arbeitstechniken und Methoden, angefangen beim Mind-Mapping bis hin zum Zeitmanagement, vermittelt. „Die Schüler erlangen dadurch Kompetenzen, die nicht nur während des Unterrichts an der FLS, sondern auch später im Studium oder in der Berufsausbildung hilfreich sind“, erklärt die Abteilungsleiterin des BG, Katharina Schlicht. Da das Methodentraining in der Regel außer Haus durchgeführt wird, diene es zusätzlich dazu, die Teamstruktur in den Klassen zu stärken, ergänzt Veronika Lorenz, Fachkonferenzleiterin Englisch am BG.
In der Jahrgangsstufe 12 nehmen alle Leistungskurse Wirtschaft an dem computergestützten Planspiel WiWag teil, bei dem die Schüler spielerisch das Verständnis für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge erkennen und das zuvor erlernte theoretische Wissen praktisch anwenden können.
Zudem unterstützt ein Berufsorientierungskonzept die Schüler bei der reflektierten Berufswahl. Es handelt sich dabei um ein in den Unterricht integriertes Konzept, das in der Klasse 11 mit einem Eignungstest beginnt, an dem freiwillig teilgenommen werden kann. Die Ergebnisse werden dann persönlich mitgeteilt.
Einen sehr hohen Stellenwert haben die naturwissenschaftlichen Fächer Chemie und Physik, für die bisher in jedem Jahr Leistungskurse angeboten werden.
Aktuell besuchen über 500 Schüler in den Fachrichtungen Wirtschaft, Chemie-, Datenverarbeitungs- und Elektrotechnik das BG. In Kooperation mit der Louise-Schroeder-Schule wird ab dem Schuljahr 2009/2010 auch die Fachrichtung Gesundheit angeboten. Zudem ist geplant, auch je einen Schwerpunkt Biologietechnik und Medientechnik an der FLS einzurichten. Letzteres soll gemeinsam mit der Kerschensteinerschule erfolgen.
Am Ende der Jahrgansstufe 13 steht die Abiturprüfung mit den Aufgaben aus dem Landesabitur, die für alle hessischen Gymnasien gleich sind.
Die Berufsfachschulen
An der FLS gibt es die Zweijährige Höhere Berufsfachschule für Informationsverarbeitung (HBfS) und die Berufsfachschule Wirtschaft und Verwaltung (BfS).
Die HBfS bietet eine Berufsausbildung zum „Staatlich geprüften kaufmännischen Assistenten für Informationsverarbeitung“ an. Es handelt sich dabei um eine vollschulische Berufsausbildung, die an fünf Tagen in der Woche durchgeführt wird. Diese Ausbildung eignet sich vor allem für Schüler mit Interesse an kaufmännischen und informationstechnischen Fragestellungen. Der Unterricht findet zum Teil in einem der modern ausgestatteten DV-Räume, zum Teil auch in der PC-Werkstatt statt. Durch Zusatzunterricht in der Klasse 12 sowie einem Praktikum nach der erfolgreichen Abschlussprüfung können die Schüler zudem die Fachhochschulreife erlangen.
Der Unterricht der BfS führt zum mittleren Bildungsabschluss. Eine Vorbereitung auf die Berufswahl erfolgt durch ein Praktikum in der Jahrgangsstufe 10. Zusätzlich findet am Ende der Jahrgangsstufe 10 ein Bewerbungstraining statt, das in Kooperation mit Praktikern aus den Personalabteilungen regional ansässiger Betriebe durchgeführt wird.
Darüber hinaus initiierten die Lehrkräfte der BfS die Mitarbeit an dem so genannten Buddy-Projekt, in dessen Verlauf die Berufsfachschüler u.a. lernen, mehr Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen. Zu diesem Zweck stellt die FLS den Schülern auch einen Raum zur Verfügung, in dem sie nach dem Unterricht für Klassenarbeiten lernen sowie ihre Hausaufgaben erledigen können, falls sie zu Hause dazu keinen Platz oder keine Ruhe haben. Betreut wird der Raum durch die Lehrkräfte des Fachbereichs in ihrer Freizeit
Die Teilzeitberufsschule
An der FLS werden zur Zeit rund 1.300 Schüler in folgenden Ausbildungsberufen beschult:
- Kaufmann im Einzelhandel
- Verkäufer
- Kaufmann im Groß- und Außenhandel
- Immobilienkaufmann
- Veranstaltungskaufmann
- Kaufmann für Marketingkommunikation (ehemals Werbekaufleute)
- Medienkaufmann (ehemals Verlagskaufleute)
- Gestalter für visuelles Marketing (ehemals Schauwerbegestalter)
- Fotografen
Gemeinsam mit den Ausbildungsbetrieben werden in regelmäßigen Abständen Projekte in den unterschiedlichen Ausbildungsberufen durchgeführt. Hierzu zählen beispielsweise Betriebspräsentationen bei den Groß- und Außenhändlern sowie bei den Einzelhandelskaufleuten, die Konzeption von Kampagnen für diverse Werbeagenturen durch die Kaufleute für Marketingkommunikation oder auch die Gestaltung von Räumen oder Auslagen durch die Gestalter für visuelles Marketing (siehe auch Presseecho). „Eines ist allen Projekten gemeinsam“, sagt Jochen Weidlich, Abteilungsleiter für die Teilzeitberufsschule, „es geht uns um einen praxisnahen Unterricht, der eine Verzahnung zwischen den beiden Lernorten Schule und Betrieb ermöglicht.“
Des Weiteren können Auszubildende des Groß- und Außenhandels sowie der Immobilienwirtschaft seit einem Jahr die European Computer Driving Licence (ECDL) erwerben. Dieses Zertifikat ist in 150 Staaten anerkannt und bescheinigt dem Besitzer bestimmte Qualifikationen im Umgang mit dem PC.
Aber auch ein Fremdsprachenzertifikat für das Fach Englisch kann erworben werden.
In den meisten der oben genannten Ausbildungsberufe ist das Abitur, die Fachhochschulreife oder mindestens der Mittlere Abschluss Voraussetzung, um einen Ausbildungsplatz zu erlangen. Das bedeutet aber auch, dass die in der Regel dreijährige Berufsausbildung auf zweieinhalb oder zwei Jahre verkürzt werden kann, was ganz besondere Anforderungen an die Lehrkräfte und die Auszubildenden stellt.
Besonderheiten
Die FLS hat zur Zeit 11 modern ausgestattete DV-Fachräume, die nach und nach Internetzugang erhalten. Durch die Anschaffung von Notebook-Wagen wird die DV-Ausstattung der FLS mobil. Die Notebooks können damit in jedem Klassenraum eingesetzt werden. Zudem gibt es eine PC-Werkstatt, in der Schüler unter Anleitung eines DV-Lehrers PC´s selbständig reparieren oder zusammen bauen können.
Des Weiteren ist die FLS mit einem neuen multimedialen Physikraum ausgestattet. Den dazugehörigen Praxisraum können die Schüler des Leistungskurses Physik in den Freistunden jederzeit für eigene Experimente nutzen. „Durch diesen Physikraum wird der Unterricht für die Schüler noch attraktiver“, schwärmt Thomas Jacobs, Fachkonferenzleiter Physik der FLS.
Weitere Informationen über die FLS finden Sie unter den Menüpunkten „Schulformen“ und „Aktivitäten“.
Stand: 08/2009

